Metall

Der verschlossene Mann

FO: St. Lambertikirche
Schraubtaler, Silberguss mit aufgelötetem Gewinde
D. 41 mm, Stärke 3,5 mm
Innen Temperamalerei (?), 1635
Dresden 1598

Fast 350 Jahre vergingen, bis das Porträt eines Mannes wieder entdeckt wurde. Es befand sich nicht in einer Bildersammlung oder verstaubt auf einem Dachboden, sondern in einer Gruft der St. Lambertikirche.

Während der Grabungskampagne 1998 wurden in einer Gruft unter zwei barocken Bestattungen ein Taler, ein kleines silbernes Kreuz und der Schädel einer Frau gefunden. Der Taler trägt auf der Vorderseite die Umschrift CHRISTIAN·JOHAN GEORG·ET·AVGVSTUS. Drei Porträts sind zu erkennen: die drei sächsischen Kurfürsten und Brüder Christian II., Johann Georg I. und August. Der Taler trägt die Datierung 1598, die letzte Ziffer ist allerdings nicht deutlich zu lesen. Auf der Rückseite befindet sich ebenfalls eine Umschrift: FRAT:ET·DVCES·SAXON, also Brüder und Fürsten Sachsens, die Marke eines Dresdener Münzmeisters und ein sächsisches Wappen.

Vorderseite des Schraubtalers Rückseite des Schraubtalers

Vorderseite mit den drei sächsischen Herzögen
Rückseite mit einem sächsischen Wappen

Bei näherer Betrachtung erwies sich das Fundstück als ein Schraubtaler. Im Zuge der Restaurierung beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege konnte er geöffnet werden. Auf der Innenfläche der Vorderseite befindet sich das Porträt eines bärtigen Mannes, der vornehm mit einem Wams bekleidet ist. Über dem engen Wams bedeckt eine Fallkrause die Schultern. Diese Fallkrause, die Haartracht und Spitz- und Schnurbart sprechen für eine Datierung dieses Porträts in die Zeit um 1630.

Innenansicht der Vorderseite des Schraubtalers Innenansicht der Rückseite des Schraubtalers

Porträt eines unbekannten Mannes; rechts: Die Liebesgabe, datiert 1635

Ein Gemälde auf der Innenfläche der Rückseite verrät den Zweck dieses Schraubtalers. Zwei auf Zweigen sitzende Tauben halten in ihren Schnäbeln einen Ring. Unter den Zweigen brennt ein Herz. Der Schraubtaler war eine Liebesgabe. Die zierlichen Bilder wurden 1635 gemalt.

Die Identifikation des Mannes ist noch nicht geglückt. Die Gruft in einer Kapelle des nördlichen Seitenschiffes der St. Lambertikirche kann bisher keiner Lüneburger Familie zugewiesen werden.

Die Entdeckung des Schraubtalers mit dem so lange verborgenen Miniaturporträt berührt die Lebensgeschichte zweier Menschen, die vor nahezu 350 Jahren lebten.

Autor: Edgar Ring; in: Denkmalpflege in Lüneburg 2002, 80-81.
 

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