Glas: Kelchgläser à la façon de Venise

Kelchglas, Fragment

Venedig, 2. H. 16. Jh. FO: Lüneburg, Ilmenaustraße 7 (Kloake)
H 7,8 cm; Ø Boden 5,4 cm; Gd. 1,0 mm
Farbloses Glas mit minimalem Gelbstich.
Netzmuster („vetro a reticello”). Geklebt.
 

Kelchglas, Fragment

Rest eines hochgezogenen hohlen Fußes. Hohlbaluster („vetro a reticello”). Unterteil der Kuppa mit gestauchtem Boden und hohlem Rand.
 

Das Netzmuster selbst ist u.a. von Bechern, Vasen, Tellern und Kelchgläsern bekannt und zumeist in venezianischen Hütten zur Anwendung gekommen, vergleichbare Produkte aus Glasmanufakturen nördlich der Alpen sind weniger häufig. Das langlebige Muster findet sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Form des Kelchglases mit gestauchtem Boden erinnert an ein Glas aus der ehemaligen Sammlung Ludwig von Gans im Kunstgewerbemuseum Berlin, das in die Zeit um 1500 datiert wird.
 

Kelchglas, Fragment

Niederlande, 2. H. 16. Jh.
FO: Lüneburg, Große Bäckerstraße 6/7 (Kloake 2)
H 8,4 cm; Ø max. 4,7 cm; Gd. 0,9 mm
Farbloses Glas mit Graustich. Weiße Fäden. Vetro a fili/vetro a retorti. Kuppa getrübt und stellenweise irisiert. Geklebt.
 

Kelchglas, Fragment

Hochgezogener Fuß und Baluster in vetro a fili-Technik. Baluster zwischen zwei Scheiben. Tulpenförmige Kuppa mit 14 senkrechten Fäden, die unterhalb der Kuppa-Einschnürung ansetzen und bis zum Mittelpunkt des geraden Kuppabodens laufen. Über der Einschnürung horizontale Fadenauflage in vetro a retorti-Technik.
 

Die Verwendung verschiedener Filigranglas-Techniken an ein und demselben Glasgefäß ist aus Venedig seit dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts bekannt. Kurz nach 1550 wurden die verschiedenen Techniken ebenso in deutschen und niederländischen Glashütten zur Dekoration verschiedener Gefäß-formen angewendet. Ein Pendant zu dem Lüneburger Kelchglas befindet sich in Wien. Für dieses Glas wird aufgrund der gelblichen Glasmasse eine Entstehung in Venedig vermutet.

 
Autor: Peter Steppuhn; in: Glaskultur in Niedersachsen, 2003, 124 u. 126 f. (gekürzt).
 

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